Risiken für die Weltwirtschaft aus dem chinesischen Finanzsektor

In unserer China Serie haben wir bereits eine Fundamentalanalyse erstellt, verschiedene Unternehmen und die Wachstumsinitiativen Chinas analysiert. Hierbei haben wir zahlreiche Chancen und Investmentideen aufgezeigt.

Neben den vielen Möglichkeiten gibt es auch große und ernst zu nehmende Gefahren aus dem Reich der Mitte. Daher werden wir in dieser Branchenanalyse die Risiken im chinesischen Finanzsektor beleuchten, die aus einer Bankenkrise hervorgehen könnten.

Übersicht der Bankenlandschaft

Die aktuelle Bankenlandschaft Chinas besteht aus 4.379 Banken mit einem Bilanzvolumen von mehr als 35 Billionen EUR. Das chinesische BIP beträgt aktuell etwa 12 Billionen EUR. Somit ist der Finanzsektor dreimal so groß wie die jährliche Wirtschaftsleitung des Landes mit seinen 1,4 Milliarden Menschen. Es stellt damit die Bankensysteme überall auf der Welt in den Schatten, es ist zum Beispiel doppelt so groß wie das US- amerikanische Bankensystem.

Das Kreditvolumen der chinesischen Inlandskredite liegt bei 230 % des BIP, also mehr als doppelt so hoch wie die gesamte Wirtschaftsleistung. In der Schweiz, mit dem hohen Anteil an Hypothekarkrediten, liegt der Anteil der Inlandskredite bei 170%, in Deutschland bei 75 % und in den traditionell hoch verschuldeten Vereinigten Staaten liegt die Quote bei 192 % des BIP.



Erste Zahlungsausfälle im Jahr 2019

Da der Finanzsektor offensichtlich stark aufgebläht ist, muss mit Zahlungsausfällen gerechnet werden. Auch wenn diese vom Staat abgefedert werden, ist von einem echten Gefahrenpotential für die Weltwirtschaft auszugehen. Erste Ausfälle waren bereits im Jahr 2019 zu verzeichnen. Im Mai übernahm die Regierung die in Schwierigkeiten geratene Baoshang Bank in der Inneren Mongolei, dabei handelte es sich um die erste staatliche Intervention bei einem privaten Finanzinstitut seit mehr als 20 Jahren. Für die Bank of Jinzhou wurde im Juli eine Rettungsaktion von drei staatlichen Finanzinstituten organisiert und im November wurde die Hengfeng Bank in der Provinz Shandong aufgefangen. Die Hengfeng-Rettungsaktion ist besonders brisant, weil die Bank seit dem Jahr 2016 keinen Jahresabschluss mehr vorgelegt hat und es gegen die letzten beiden Vorsitzenden in den Jahren 2014 und 2017 Untersuchungen bezüglich Korruptionsvergehen gab. Bei Hengfeng handelt es sich um einen kleinen regionalen Kreditgeber, die Rettung beläuft sich auf 12,5 Milliarden Euro. Allgemein nimmt die Angst in der chinesischen Bevölkerungen vor allem in den ländlichen Regionen zu. Dies führte Anfang November 2019 zu einen Ansturm auf die die Yingkou Bank in der Provinz Liaoning und die Yichuan Rural Commercial Bank in der Provinz Henan. Grund waren Gerüchte über Liquiditätsprobleme und Missmanagement der beiden Banken.


Inspiration für erfolgreiche Zukunft


Erkenntnisse aus dem China Financial Stability Report 2019

Die People’s Bank of China (PBC) hat kürzlich den China Financial Stability Report 2019 veröffentlicht. Ein Teil des Report beschreibt die Stabilität des chinesischen Finanzsystems. Dem Bericht zufolge haben die Herausforderungen und Risiken für die Banken deutlich zugenommen. Laut dem Report der PBC wurden 586 von 4.379 und somit 13,4 % aller chinesischen Kreditgeber als “hohes Risiko” eingestuft. Im ländlichen Bereich wird jede dritte Bank als „hohes Risiko“ bewertet. Wenn nur ein kleiner Prozentsatz des chinesischen Bankensystems eine Rettungsaktion benötigt, werden die Auswirkungen auf die Wirtschaft um ein vielfaches größer sein. Jeder Prozentpunkt Ausfallkosten entspricht 3 % des Bruttoinlandproduktes. Das würde selbst für ein Land wie China zu einer ernst zu nehmenden Gefahr. China ist und bleibt ein wichtiger Motor des globalen Wachstums, jede Abschwächung der Weltwirtschaft könnte eine weitere Instabilität im Finanzsektor und somit eine sehr teure Abwärtsspirale auslösen. Laut dem Bericht hat die Regierung in Peking seit längerem bereits proaktive Maßnahmen ergriffen, um das Bankensystem zu stabilisieren und die bestehenden Risiken zu senken, eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Weltwirtschaft bleibt trotz allem bestehen. Da die chinesischen Aufsichtsbehörden nicht gerade für Transparenz und Offenheit bekannt sind, bleibt zu hoffen, dass die angegebenen Zahlen der People’s Bank of China nicht nur die Spitze des Eisberges sind. Ist es auf jeden Fall höchste Zeit, die dahinterstehenden Risiken in Zukunft genau im Auge zu behalten.


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