China, Wirtschaftlicher Profiteuer der Covid-19 Krise

Veröffentlicht am 17.06.2020

Chinas Situation im Covid-19 Lockdown

Als Auslöser der Covid-19 Krise hatte China als weltweit erstes Land den Lockdown. Während aktuell der Grossteil der restlichen Welt noch gegen das Virus kämpft, hat das Riesenreich seine Wirtschaft bereits wieder hochgefahren. Als Folge der Krise war die chinesische Volkwirtschaft im ersten Quartal um 6,8 Prozent eingebrochen. Aktuell prognostiziert Peking für das dritte Quartal 2020 bereits wieder ein BIP-Wachstum von fünf Prozent. Stand heute arbeiten 80 bis 90 Prozent der chinesischen Betriebe wieder im Normal- Modus. Die Regierung in Peking hat die geldpolitische Unterstützung stark ausgeweitet, um das Wirtschaftswachstum zu stabilisieren. >Kredite regionaler Banken< werden von der Notenbank aufgekauft und abgesichert, um so die Kreditvergabe anzukurbeln. Unterstützt werden von der Zentralregierung in Peking vor allem Unternehmen aus Branchen, die vom chinesischen Staat als strategisch wichtig eingeordnet werden. Dies sind vornehmlich die Unternehmen aus den beiden Initiativen >Neue Seidenstrasse< und >Made in China 2025<. Der Aufschwung steht natürlich auf sehr wackligen Beinen, ein neuer Corona- Ausbruch und ein weiterer Lockdown können die Normalisierung gefährden und die wirtschaftliche Erholung zunichte machen. Aktuell sehen wir einen neuen Ausbruch in der Millionenmetropole Peking mit bisher etwa 150 Infizierten. Bei der Bekämpfung tritt die chinesische Führung sehr geschlossen auf und verfolgt eine klar definierte Strategie um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern.

Aggressives aussenpolitisches Verhalten

In den letzten Wochen konnte gegenüber anderen Ländern ein zunehmend aggressives Verhalten der Zentralregierung und deren Diplomaten beobachtet werden. Die Führung in Peking sieht den weltweiten Wirtschaftszusammenbruch als grosse Chance für die Zukunft der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt. Dies äussert sich zum Beispiel in der Behinderung des freien >Schiffsverkehrs< in internationalen Gewässern im Südchinesischen Meer, dem Grenzkonflikt mit Indien und den Repressionen in Hongkong. Im Südchinesischem Meer wurden zwei neue Verwaltungsbezirke eingerichtet, um dort die Präsenz zu verstärken. Bei den Grenzkonflikten mit Indien gab es die ersten Todesopfer seit 45 Jahren. Mit der sogenannten „Wolf-Diplomatie” versucht China durch aggressive Propaganda und gezielter Desinformation seine geopolitischen Machtinteressen durchzusetzen. Präsident Xi sieht die gegenwärtige Situation als Möglichkeit seinen weltweiten Einfluss auszubauen. Kürzlich sagte er: «Die grossen Schritte in der Geschichte wurden alle nach grossen Katastrophen gemacht.»


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Was tut Europa und die USA

Das China mit der Initiative der >Neuen Seidenstrasse< immer weiter nach Europa drängt, ist hinlängst bekannt und die wirtschaftlichen Bestrebungen sind offensichtlich. Die Seehandelsroute führt durch das Südchinesische Meer, den Indischen Ozean nach Ostafrika, Richtung Norden durch das Rote Meer bis ins Mittelmeer nach Italien. Italien hat sich Im Jahr 2019 als erstes EU-Land der chinesischen Initiative angeschlossen. Das stark verschuldete Land erhofft sich dadurch einen Anschub der Wirtschaft. Das ist aber ein gefährlicher Trugschluss, in Wirklichkeit begibt sich die kurzfristig denkende italienische Regierung in eine gefährliche Abhängigkeit von China.

Nato-Generalsekretär Stoltenberg warnte bereits mehrfach vor dem anstehenden fundamentalen Wandel in der weltweiten Machtbalance. Doch Europa verhält sich alles andere als strategisch geschickt. Im Gegenteil, neben den hochverschuldeten südeuropäischen Ländern begeben sich auch viele Firmen in die Abhängigkeit Chinas. Viele mitteleuropäische Grossunternehmen sind stark vom chinesischen Markt abhängig. China weiß diese Abhängigkeit zu instrumentalisieren und die Unternehmen zu erpressen. Es ist davon auszugehen, dass China in der Corona- Pandemie die Naivität der europäischen Regierungen und Unternehmen für ihre Zwecke verstärkt ausnutzen wird.

Auf der anderen Seite des Atlantiks ist die US- Regierung im Wahljahr mit sich selbst beschäftigt und versinkt im Chaos. Die einzelnen Bundesstaaten sind in der Corona- Pandemie auf sich selbst gestellt, sie konkurrieren bei dringend benötigter technischer Ausrüstung, während der Präsident auf täglichen Pressekonferenzen prahlt oder auf alles und jeden schimpft. Die Bevölkerung ist gespalten und dies entlädt sich nun in landesweiten Unruhen. Präsident Trump hat längst aufgehört zu regieren, er ist nur noch auf die Wiederwahl und sein eigenes Wohl bedacht. Der Erzrivale aus China arbeitet unterdessen daran, in allen wichtigen Industriesparten zum Weltmarktführer aufzusteigen.

Fazit

Da es Europa und die USA versäumen, eine gemeinsame Strategie gegenüber China zu entwickeln, nutzen die Chinesen ihre Chance wirtschaftlich weiter aufzusteigen. Bei der OECD geht man davon aus, dass die chinesische Volkswirtschaft im Jahr 2020 um maximal 3,7 % schrumpft, während man bei der USA von bis zu 8.5 % ausgeht. Die chinesischen Wertpapiere im >Bolesch Beteiligungsportfolio< waren in der Covid-19 Krise relativ stabil. Kein international ausgerichteter Investor kann heute chinesische Unternehmen ausser Acht lassen. Die Chancen, dass die wirtschaftliche Zukunft Asien und China gehört, ist durch die Pandemie gestiegen. Dabei will China die USA als Supermacht nicht ersetzen. Sie sind sehr vorsichtig mit Engagements in anderen Ländern. China strebt nach fremden Ressourcen und Märkte, nicht nach fremden Kolonien.


Hier geht unsere China Serie weiter


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