DAS GLAS IST VOLL

Das Glas ist voll – Die BvS & Co. Heatmap

Ein Gastbeitrag von Magnus Graf von Schlieffen vom Digitalen Family Office Breidenbach von Schlieffen.

Der Beitrag ist erstmals erschienen am 18.12.2020 in Spot on: der Kapitalmarkt- Blog von Breidenbach von Schlieffen & Co.

Ein zu volles Glas kann überschwappen und zu größeren später zu reinigenden Verschmutzungen führen.

Für uns ist das Glas zu voll, wenn die allgemeine Stimmung an den Kapitalmärkten zu positiv geworden ist. Da das Glas voll ist, haben wir in allen BvS Multi-Manager Strategien die Liquiditätsquote (Summe aus direkter sowie indirekter Liquidität) auf 15% erhöht.

Mit diesem Blog leiten wir die Analyse/Begründung her und stellen die BvS & Co. Sentiment HEATMAP vor.

Sind Aktien alternativlos?

Die Frage ob Aktien alternativlos sind, ist überflüssig. Woher soll denn noch Rendite kommen? Sofern man in die richtigen Unternehmen investiert, wird die Beteiligung an Unternehmen im Vergleich zu anderen Vermögensklassen selten so preiswert sein, wie jetzt. Der Vergleich ist einfach. Während Staatsanleihen eine negative Rendite liefern, Unternehmensanleihen von qualitativ und ertragsstabilen Unternehmen eine Rendite von Null aufweisen und die laufende Rendite solider Immobilien unter 2% liegt, liefern ertragsstabile Unternehmen eine Dividendenrendite von über 2%. Solche Unternehmen erhöhen zudem die Dividenden schneller als sich Mieten erhöhen lassen und bieten wie Immobilien Wertsteigerungen. Allerdings erklärt es sich wohl von selbst, dass ein im Vergleich zu Mieteinnahmen, höheres Dividendenwachstum zu höheren Wertsteigerungen führen sollte. Kritische Leser werden jetzt Private Equity und andere reale Vermögenswerte anführen. Wir dürfen daran erinnern, dass die Beteiligung an Unternehmen ein Realwert darstellt. Ob börsennotiert (Public Equity) oder nicht börsennotiert (Private Equity) macht nur den Unterschied, dass Public Equity im Gegensatz zu Private Equity täglich liquidierbar ist. Bei der Wahl der richtigen Unternehmen zeigt die Rendite von Public Equity nach allen Kosten keinen nennenswerten Unterschied zu Private Equity.

Aktien sind aber nicht emotionslos!

Das Problem an Aktien ist, dass die jeder handeln darf. Dafür bedarf es keines Führescheins oder sonstiger Prüfung. Auch sind die Mindestinvestitionsgrößen für jeden Geldbeutel machbar. Aktien sind zwar alternativlos, aber nicht emotionslos, was sie für extreme Kursbewegungen anfällig macht. Erfüllt sich eine bestimmte allgemeine Grundannahme nicht, muss diese Grundannahme korrigiert werden. Das wiederum passiert nicht rational, sondern emotional.

Um dieses emotionale Verhalten einigermaßen zu managen, muss man sich das Investorenverhalten, deren Investitionsquote und deren Einstellung zur weiteren Entwicklung der Aktienkurse ansehen. So blöd und einfach sich das liest oder anhört, damit Aktienkurse steigen, bedarf es mehr Käufern als Verkäufern. Aus dieser simplen Schlussfolgerung ergibt sich per Definition die erste zu tätigende Analyse:

Sind die Investitionsquoten der Investoren hoch und verfügen diese Investoren über wenig Liquidität, stellt sich die simple Frage, wie weitere Käufe finanziert werden können und woher die frischen Käufer kommen sollen?

BvS & Co. analysiert das Investorenverhalten mittels einer Reihe von Indikatoren und stellt diese in einer HEATMAP zusammen.

Chart 1: BvS & Co. Heatmap

201218_Chart 1_Heatmap_Das Glas ist voll - die BvS & Co. Heatmap

Quelle: BvS & Co.

Die Farbe GRÜN vergeben wir, wenn die Stimmungslage eher vorsichtig ist. In einem solchen Fall haben Investoren in der Regel viel Liquidität auf dem Konto und zudem Ihre Portfolios gegen plötzliche Rückschläge abgesichert. Die Farbe GELB vergeben wir, wenn die jüngere Entwicklung aufzeigt, dass Investoren in ihrer Grundhaltung zwar immer noch vorsichtig sind, aber in letzter Zeit den Grad der Absicherung reduziert haben und zunehmend weniger Liquidität im Portfolio haben. Die Farbe ROT vergeben wir, wenn Investoren die Liquidität in ihren Portfolios auf ein im historischen Vergleich niedriges Niveau abgesenkt haben und Absicherungen aufgelöst wurden. Dieses wiederum übersetzt sich in andere Indikatoren.

Das Jahr 2020 in der Analyse

Der Heatmap ist zu entnehmen, dass im März/April diesen Jahres viel Grün zu sehen war, was an den großen Verwerfungen und Sorgen lag. Besonders herausstellen möchten wir die hohe Liquiditätsquote (FMS Cash Indicator), die Absicherungen der BvS Kern Vermögensverwaltenden Fonds sowie den Bull & Bear Indicator (Quelle ist Bank of America Securities). Seit Oktober entwickelt sich die Stimmung (noch vertretbar) zunehmend besser. In einigen unseren Blogs bzw. Podcasts verglichen wir die Situation mit einem halbleeren Glas. Seit der Bekanntgabe von Impfstoff und einem relativ ruhigen Verlauf der US Wahlen, hat sich die Stimmungslage deutlich aufgehellt. In einer solchen Situation muss man aufpassen, dass man nicht geblendet wird. In unserem letzten Blog vom 7. Dezember (https://digitalesfamilyoffice.de/das-glas-ist-halbvoll/) haben wir dargelegt, dass das Glas halbvoll ist. Da die Märkte ungebremst weiter gestiegen sind, ist leider genau das passiert, was uns Sorge bereitet. Der Heatmap ist zu entnehmen, dass im Dezember einige rote Felder hinzugekommen sind. Genau genommen ist die Stimmung besser als im Januar/Februar diesen Jahres.

Den von Banken, Vermögensverwaltern und anderen zu dieser Jahreszeit üblichen Jahresausblicke ist das Wort Risiko kaum zu entnehmen. Es besteht einheitlich die Meinung, dass Aktien nächstes Jahr deutlich steigen werden und die Aktienmärkte der Schwellenländer am interessantesten sind. Letztere sind übrigens dieses Jahr teilweise schon deutlich gestiegen. Man muss den Eindruck bekommen, dass den Lesern gerade das Wetter von heute berichtet wird. In der Finanzanalyse ist das nicht selten. Besonders schlimm wird es meistens, wenn die Chefökonomen von Banken und Vermögensverwaltern sich hinreißen lassen Prognosen für Aktienmärkte abzugeben. Prognosen für die Entwicklung von Volkswirtschaften funktionieren anders als Prognosen von Aktienmärkten. Genauer gesagt halten wir Prognosen für Aktienmärkte für reine Kaffeesatzleserei. Jedes Jahr können wir im Handelsblatt die Prognosen namhafter Vermögensverwalter für Aktienmärkte lesen und gestimmt haben diese selten.

Aktienkurse werden beeinflusst von der Änderung im Vergleich zur Schätzung. Sind die Schätzungen in Summe sehr positiv, wird es schwieriger, diese positiven Schätzungen zu übertreffen. Wenn es besser kaum geht, kann es nur schlechter werden. Schauen wir uns in der Heatmap den Verlauf der Gewinnrevisionen (ERR 3-month Europe) an, stellen wir fest, dass diese Zahl ein hohes Niveau erreicht hat, genaugenommen das höchste Niveau seit 2010!

Und was heißt das jetzt?

Natürlich wissen wir, dass Märkte länger irrational/emotional sein können, als man sich das vorstellen kann. Unser wesentlicher Fehler des Jahres 2020 war, dass wir unseren eigenen Courage nicht treu genug waren. Die zu positive Stimmung im Februar hatten wir gesehen und im Blog „Zeit des Vergessens“ dokumentiert. Wir hatten wie jetzt die Liquiditätsquoten erhöht, aber nicht genug. Wir hatten dann auch die Panik an den Märkten gesehen und diese im Blog „Zeit des Erschreckens“ dokumentiert. Leider waren wir bei der Reinvestition der Liquidität ca. 2 Wochen zu früh und haben nicht auf den „Sturm“ gewartet. Märkte können länger irrational bleiben als man sich das vorstellen kann. Das kann auch dieses Mal nur mit umgekehrtem Vorzeichen so sein. In dem Fall sind wir leicht unterinvestiert, was wir zulassen. Wir haben aber auch Liquidität, die für Investitionen zur Verfügung steht. Bleiben die Märkte noch länger irrational, wird der Bull & Baer Indikator auf 8,0 und höher steigen. In dem Fall würden wir die Liquidität noch weiter erhöhen, denn anschließend käme es zu einer potentiell größeren Korrektur, deren Länge und Grad der Irrationalität wir heute noch nicht kennen. Bewegen sich die Märkte für ein paar Monate in größeren Schwankungen seitwärts, reduziert sich auch die Stimmung und die Sorgen nehmen wieder etwas zu. Wir müssten keine weitere Liquidität schaffen und würden die aktuelle Liquidität reinvestieren können. Das ist unser Wunschszenario.

Wie beschrieben ist uns aktuell die Stimmung zu positiv. Natürlich wissen wir, dass es einen Impfstoff gibt, dass 2021 weltweit die Pandemie zurückgedrängt wird, dass China und große Teile Südostasiens aktuell wenig Pandemiefälle haben und fast zur Normalität zurückgekehrt sind, dass die Aufholeffekte zu einer der höchsten volkswirtschaftlichen Wachstumsraten der letzten Jahrzehnte führen wird, dass Unternehmensgewinne zweistellig wachsen werden, etc. Das wissen Sie als Leser dieser Zeilen auch. Die Frage, die sich für uns alle stellt ist, was an dem Wissen ist neu?

Mit dieser Frage und/oder Erkenntnis lasse ich Sie jetzt allein und weise nur darauf hin, dass das, was nicht neu ist, in der Regel in den Kursen berücksichtigt ist.

Gemeinsam werden wir erleben, wie lange die Märkte noch irrational sein werden. Die Heatmap hilft uns den Grad zu beurteilen. Die Farbe rot kann noch weiter zunehmen, was mit deutlich steigenden Aktienkursen einhergehen würde. Das Problem daran ist, dass irrational steigende Aktienkurse Niemandem weh tun. Der Schmerz kommt erst später.

Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Herzlichst,

Ihr Team von Breidenbach von Schlieffen & Co.


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