Länderanalyse China – Volkswirtschaftliche Fundamentalanalyse

Veröffentlicht am 18.03.2021

Bei dieser Länderanalyse wird Chinas Volkswirtschaft einer ausführlichen Fundamentalanalyse unterzogen. Hierbei kommen klassische Kennzahlen wie BIP-Wachstum, Inflationsrate und Verschuldung, aber auch relativ unbekannte Kennzahlen wie GINI-Index oder die internationale PISA-Studie zum Einsatz. Die Länderanalyse zeigt auf, wie Chinas Volkswirtschaft fundamental einzuordnen ist und wie zugehörige ETF bewertet sind.

Volkswirtschaftliche Fundamentalanalyse

BIP und Wirtschaftswachstum

Die Volksrepublik China hatte im Jahr 2020 ein Wirtschaftswachstum von 2.3 % und dies bei einer Inflationsrate nahe 0%. Dieses Wachstum liegt weit unter dem langjährigen Durchschnitt von ca. 6 %. Das geringste Wirtschaftswachstum seit Mitte der 1970-er Jahre ist der Corona-Pandemie geschuldet. Allerdings ist China eines der wenigen Länder auf der Welt, die für das Jahr 2020 ein Wirtschaftswachstum verzeichnen konnten. Im vierten Quartal 2020 lag das Wachstum bereits wieder bei 6.5%. Dies ist vor allen der schnell wieder hochgefahrenen Industrie zu verdanken, der Inlandskonsum und damit die Einzelhandelsumsätze sind weiterhin niedrig. Hier zeichnet sich aber bereits ein Nachholeffekt der Konsumenten ab. Der Aufschwung steht auf sehr wackligen Beinen, ein neuer Corona- Ausbruch und ein weiterer Lockdown können die Normalisierung gefährden und die wirtschaftliche Erholung zunichtemachen. Für die Berechnung der Bewertungskennzahlen kalkulieren wir mit 4.5 % langfristigem Wirtschaftswachstum für China. Das ist unterhalb der allgemeinen Konsens-Erwartungen. Dies hat mehrere Gründe:

  • Schwäche- und Abkühlungs-Phasen müssen auf langfristige Sicht berücksichtigt werden
  • Offizielle Zahlen aus der Volksrepublik sind mit Vorsicht zu geniessen, die Gefahr von geschönten Daten ist gross
  • Eine Sicherheitsmarge wird in unseren Analysen immer berücksichtigt

Von einem Wirtschaftswachstum in Höhe von 4.5 % können Volkswirtschaften im Rest der Welt nur träumen und gepaart mit einer niedrigen Inflation ist das selbst im Vergleich mit anderen stark wachsenden asiatischen Ländern einmalig.

In unserem Beitrag „Wirtschaftlicher Profiteur der COVID-19 Krise“ haben wir beschrieben, wie China wirtschaftliche von der Pandemie profitiert.

Das BIP pro Einwohner beträgt 10.890 USD und liegt damit knapp unter dem weltweiten Niveau. Durch das hohe Wirtschaftswachstum wird das BIP pro Einwohner rasch weiterwachsen und die grösser werdende chinesische Mittelschicht ist bereit immer mehr Geld in allen Bereichen der Wirtschaft auszugeben. Es ist davon auszugehen, dass die sehr lockere Geldpolitik von der Regierung in Peking beibehalten wird.

Verschuldung

Die Staatsverschuldung in China liegt bei 61.7 % des Bruttoinlandproduktes (BIP). Diese Kennzahl ist im Ländervergleich als durchschnittlich einzustufen. Die chinesischen Inlandskredite betragen 164.7 % des BIP. Diese Kennzahl zeigt eine sehr hohe Verschuldung auf. Hier muss von einem echten Gefahrenpotential für die gesamte Volkswirtschaft ausgegangen werden. Es ist mit Kreditausfällen zu rechnen. Über die Gefahren von Kreditausfällen für die chinesischen Banken haben wir in unserem Beitrag „Risiken für die Weltwirtschaft aus dem chinesischen Finanzsektor“ berichtet.

Wachstums-Initiativen Made in China 2025 und Neue Seidenstrasse

Die Regierung hat zwei Wachstums-Initiativen ins Leben gerufen, die den Aufstieg Chinas vorantreiben sollen. Zum einen ist das die Initiative „Made in China 2025“ und zum anderen das Projekt „Neue Seidenstraße“. Beide Initiativen haben einen eigenen Beitrag in unserer China-Serie. Durch die Initiativen ist der langfristige Aufstieg Chinas gesichert. Das Land entwickelt sich immer schneller vom Billigexportland, dass Produkte vom Westen kopiert, zu einer wirtschaftsführenden Nation mit hochtechnisierten, selbst entwickelten Gütern.

Auf der anderen Seite steht vor allem die Initiative „Made in China 2025“ im Zentrum des Handelsstreits mit den USA. Die US-Regierung will den rasanten Ausbau von Zukunftstechnologien in China ausbremsen, solange dies noch möglich ist. Berechtigterweise beklagen die Amerikaner den Diebstahl von geistigem Eigentum und Geschäftsgeheimnissen. Die Regierung in Washington fordert eine fundamentale Änderung der Initiative „Made in China 2025“, und verlangt für US-Firmen gleiche Wettbewerbsbedingungen. Die eingeführten Strafzölle dienen dabei als Druckmittel. Ob diese Strategie langfristig von Erfolg gekrönt sein wird, muss abgewartet werden. Ein entscheidender Vorteil für die chinesische Volksrepublik ist, dass es gegen die Zölle die eigene Währung gegenüber dem US-Dollar nach oben und unten adjustieren und somit Preiserhöhungen im Export ausgleichen kann. Dies haben wir in den letzten Monaten bereits gesehen.

Bevölkerung, Korruptionswahrnehmungsindex und PISA Ergebnisse

China hat etwa 1,398 Mrd. Einwohner mit einem schwachen Bevölkerungswachstum von 0,4 %. Die Ein-Kind-Politik und die Geburtenkontrolle wurden längst abgeschafft. Mittlerweile steht China wie der Westen auch vor einem demographischen Wandel und einer Überalterung der Bevölkerung. Mittlerweile sind 18 Prozent der Chinesen älter als 60 Jahre, dem offiziellen Rentenalter für Männer in China. Frauen dürfen mit 50 in Pension.

In Bezug auf freie Meinungsäußerung geht die Regierung in Peking sehr repressiv vor. Es kann jederzeit zu willkürlichen Sanktionen gegen Unternehmen kommen, wenn die Regierung die nationale Sicherheit gefährdet sieht. Von rechtsstaatlicher Sicherheit kann keine Rede sein.

Die Einkommensverteilung (GINI Index) und der Korruptionswahrnehmungsindex sind in China unterdurchschnittlich, was in einem aufstrebenden sozialistischen Land aber nicht weiter verwunderlich ist.

Besonders positiv hervorzuheben sind die sehr guten Ergebnisse in der weltweiten PISA Studie. Hier schneiden asiatische Länder traditionell hervorragend ab. Private Bildung wird gross geschrieben und die Bevölkerung ist bereit viel Geld dafür auszugeben. (siehe auch Kennzahlenanalyse New Oriental Education.)

Fazit

Die Volksrepublik China hat ein hohes, stabiles Wirtschaftswachstum in Verbindung mit niedriger Inflation. China steht jetzt bereits für ein Drittel des Weltwirtschaftswachstums, und dieses Wachstum wird in Zukunft gesichert durch die gigantischen Infrastrukturprojekte, dem riesigen Binnenmarkt und die überdurchschnittlich wachsende Bildung der Bevölkerung. Auch durch die stark vorangetriebene Internationalisierung wird der Aufstieg von China nicht aufzuhalten sein. Beim Rennen um den Gewinn der nächsten Technologierevolution steht China mit hervorragenden Voraussetzungen in den Startlöchern. Von der Zinsfront bestehen keine Gefahren, aufgrund der Folgen der Pandemie ist davon auszugehen, dass die Regierung in Peking die Geldpolitik locker halten wird.

Eine langfristige Gefahr ist die sehr hohe Verschuldung des privaten Sektors. Wie es bereits geschehen ist, werden Zahlungsausfälle bei Banken von der Regierung aufgefangen.

Auch mit der US-Regierung unter Joe Biden wird der Handelsstreit bestehen bleiben. Aber selbst bei weiteren Zugeständnissen der chinesischen Regierung bezüglich US-Forderungen bleibt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt auf Wachstumskurs.                                                                                                            

Bewertung Aktienmarkt und ETF MSCI China A

Kein international ausgerichteter Investor kann heute chinesische Unternehmen außer Acht lassen. Um die Attraktivität für ausländische Investoren zu erhöhen hat die Regierung in Peking die Finanzmärkte immer mehr geöffnet. Die Aufnahme der chinesischen A-Aktien im Jahr 2018 in den MSCI- Index hat dazu beigetragen, dass mehr Geld in die Börsen von Shanghai und Shenzhen fliesst.

Bewertet wird der Länder-ETF „iShares MSCI China A UCITS ETF “ von Blackrock mit der ISIN IE00BQT3WG13. Der Fonds beinhaltet 470 physische Positionen, die Depotallokation setzt sich wie folgt zusammen:

  • Finanzsektor: 21.27 %
  • Basiskonsumgüter: 18.38 %
  • Industrie: 13.34 %
  • IT: 11.33 %
  • Gesundheitsversorgung: 10.33 %
  • Materialien: 9.04 %
  • Sonstige: 16.31 %

Die Rendite für 10-jährige chinesische Staatsanleihen beträgt aktuell 3.28%. Dies ist stattlich gegenüber 1.6 % in den USA und negativen Renditen in Europa. Die bei uns viel zitierte TINA (There is no alternative, für Aktien), besteht zumindest für chinesische Anleger nicht. Für Investments in Aktien besteht ein höheres Risiko, daher sollten die Gewinne der börsennotierten Unternehmen eine höhere Rendite erwirtschaften. Drei Prozent mehr Rendite für kotierte Unternehmen ist ein allgemein anerkannter Wert. Daraus ableitend ergibt sich faires KGV für den chinesischen Aktienmarkt in Höhe von 15.92. Bei diesem KGV oder niedriger erwirtschaften die Unternehmen eine risikoadäquate Rendite für Investoren.

Der MSCI China A ETF hat aktuell ein KGV von 21. Um auch hier eine Sicherheitsmarge einzuhalten nutzen wir das aktuelle KGV und nicht das zukünftig erwartete KGV (forwardKGV). Somit liegen die erwirtschafteten Gewinne der chinesischen Unternehmen bei momentanen Aktienkursen bei einer Rendite von 4.76 %. Bei einem fairen KGV von 16 deutet das aktuelle KGV in Höhe von 21 auf eine Überbewertung des chinesischen Aktienmarktes hin.

Ein weiterer Indikator, um Überbewertungen und Unterbewertungen im Gesamtmarkt auf Länderebene zu erkennen, ist der Buffett-Indikator. Bei diesem Indikator wird die Marktkapitalisierung aller börsennotierten Unternehmen eines Landes ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt gesetzt. Hat der Indikator einen Wert von 1, so wird das Marktniveau als angemessen bezeichnet. Liegt der Wert oberhalb von 1, so wird der Markt als überbewertet eingeschätzt. Momentan, Stand März 2021, wird die chinesische Volkswirtschaft mit einem Wert von etwa 0,56 bewertet. Dies deuten auf eine günstige Bewertung des chinesischen Gesamtmarktes hin.

Seit unserer ersten Empfehlung am 21.12.2018 ist der ETF um 43.8 % gestiegen. Der Fonds ist fester Bestandteil des Bolesch Beteiligungsportfolios und in Schwächephasen kaufen wir weitere Anteile.

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Quelle der Kennzahlen: knoema.de/Atlas.

Quelle KGV des ETF: iShares und Morningstar


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