SPAC- Sinnvolles Investment oder Katze im Sack?

Special Purpose Acquisition Companies (SPAC) sind in aller Munde und werden als vielversprechendes Investment für Anleger angepriesen. Stimmt das auch für langfristig ausgerichtete, wertorientierte Investoren? Für wen bringen die Investment-Vehikel eine attraktive Rendite und wer zieht daraus Vorteile?

Was ist ein SPAC?

Bei einer Special Purpose Acquisition Company handelt es sich um eine Aktiengesellschaft ohne operative Tätigkeit. Die Gesellschaft wird als Mantelgesellschaft gegründet und dient zunächst dem Zweck der Geldbeschaffung für den Börsengang einer noch unbestimmten Firma. Ziel ist es, innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens ein nicht-börsenkotiertes Unternehmen zu übernehmen und dieses an einer Börse öffentlich handelbar zu machen.

Lebenszyklus eines SPAC

Die Investment-Vehikel durchlaufen in ihrer Lebensdauer drei Phasen.

Phase 1: Gründung der Special Purpose Acquisition Company

Aufgelegt wird ein SPAC von einem sogenannten Sponsor, der selbst in das Konstrukt investiert ist und dem die unternehmerische Führung obliegt. Der Großteil des Geldes wird über einen Börsengang von Investoren eingesammelt, wobei unbekannt ist, worin das Geld später investiert wird. Die Emissionserlöse werden zunächst auf einem Sperrkonto treuhänderisch zu Marktzinsen angelegt. Der Sponsor übernimmt die laufenden operativen Kosten.

Phase 2: Evaluieren der Zielgesellschaft

In der zweiten Phase sucht der Sponsor nach einer geeigneten Firma für die Übernahme durch die Mantelgesellschaft. Dafür hat das Management in der Regel etwa 24 Monate Zeit. Wird ein Übernahmeziel gefunden, wird dies in einer Hauptversammlung den Investoren präsentiert. Die Hauptversammlung stimmt über die Übernahme ab. Wird der Übernahme zugestimmt, so tritt Phase drei in Kraft. Als Investor hat man immer die Möglichkeit die Aktien über die Börse zu veräussern oder an den Sponsor abzüglich eines Abschlags zu verkaufen. Sollte innerhalb der vorgegebenen Frist kein Übernahme-Objekt gefunden werden, so wird der SPAC aufgelöst und die auf dem Treuhandkonto liegenden Gelder zurückgezahlt. Der Sponsor bleibt in diesen Fall auf den operativen Kosten sitzen.

Phase 3: Fusion und Liquidation des SPAC

Nach Zustimmung der Hauptversammlung wird das vorgeschlagene Unternehmen übernommen. Name und Börsensymbole gehen auf die Zielgesellschaft über. Die Investoren sind nun Aktionäre der neuen börsenkotierten Gesellschaft.

Vorteile und Nachteile für den Sponsor

Vorteile

Der Sponsor bekommt von den Anlegern ein zeitlich begrenztes, zinsloses Darlehen. Beim Scheitern des Projektes muss das Geld zurückgezahlt werden. Bei erfolgreicher Übernahme und Platzierung einer Zielgesellschaft profitiert der Sponsor durch Vorzugsaktien und Optionen der übernommenen Gesellschaft.

Nachteile

Der Sponsor und Gründer muss in Phase 1 und 2 für die operativen Ausgaben der Mantelgesellschaft aufkommen. Sollte es innerhalb der definierten Zeitspanne nicht möglich sein, ein geeignetes Übernahme-Objekt zu finden oder die Hauptversammlung die vorgeschlagene Übernahme ablehnt, liegt das Finanzierungsrisiko des SPAC beim Sponsor.

Vorteile und Nachteile für die Zielgesellschaft

Vorteile

Wenn ein Unternehmen ein Listing an einer Börse plant, ist eine Übernahme durch eine Mantelgesellschaft eine echte Alternative zum klassischen Börsengang (IPO). Das Unternehmen vermeidet einen langwierigen und teuren IPO-Prozess mit teuren Konsortialbanken und aufwendigem Marketing. Bei günstigem marktwirtschaftlichem Umfeld kann der IPO mit einem SPAC schnell und kostengünstig über die Bühne gebracht werden.

Als Beispiel sei an dieser Stelle unser Depotwert HeiQ genannt, der im Dezember 2020 über ein SPAC an der Börse London kotiert wurde. CEO Carlo Centonze lobte in Interviews die Wahl der Börsengangs. Es sei die kostengünstigste und schnellste Möglichkeit für eine Kotierung gewesen.

Nachteile

Durch die geringe Regulierung der SPAC kann es zu unvorteilhaft gestalteten Verträgen durch den Sponsor kommen. Das übernommene Unternehmen überlässt dem Sponsor Vorzugsaktien und Optionen zu einem vergünstigtem Preis. Das kann zu einer ungewollten Einflussnahme auf das operative Geschäft durch den Sponsor führen.

Vorteile und Nachteile für Investoren

Vorteile

Für manche Investoren, zum Beispiel Spezialisten aus dem Bereich Venture Capital, sind SPAC eine interessante Diversifikation ihres Anlage-Universums. Sie können über das Zielunternehmen abstimmen oder das Investment vor der Abstimmung risikofrei beenden. Ist die SPAC-Transaktion richtig ausgestaltet kann ein Investment in eine Neuemission (IPO) getätigt werden, ohne von der Zuteilung einer Konsortialbank abhängig zu sein.

Nachteile

Der Investor gewährt dem Sponsor ein zinsloses Darlehen, ohne zu wissen, für welches Zielunternehmen das Geld verwendet werden wird. Eine fundamentale Analyse oder Due Diligence des Zielunternehmens ist nicht möglich. Solange nichts über das Übernahmeziel bekannt ist, kauft der Investor die Katze im Sack. Die Geldgeber sind vollkommen auf das Wissen und die Vernetzung des Sponsors angewiesen. Als relativ neues Anlageinstrument ist es kaum reguliert. Der Anleger kann nicht davon ausgehen, dass die Börsenaufsicht die Transaktionen einer Mantelgesellschaft eingehend prüft.

Fazit

In jeder Börsen-Hochphase zieht die Anzahl von Neuemissionen stark an. Es werden sehr hohe Preise für die Anteile von neu kotierten Firmen gezahlt. Den Unternehmen spült das viel Geld in die Kassen und die Investmentbanken verdienen sich eine goldene Nase. In solchen Zeiten ist es nicht verwunderlich, dass auch Anlagevehikel wie SPAC vermehrt aufgelegt werden. Die grossen Vorteile liegen beim Sponsor und beim Zielunternehmen, welches an der Börse platziert wird. Der Sponsor bezieht Anteile des kotierten Unternehmens und für das Zielunternehmen ist es eine billige und schnelle Möglichkeit einer Börsenkotierung.

Für langfristig ausgerichtete und wertorientierte Anleger ist eine SPAC-Investition keine Alternative, da die meisten Nachteile beim Investor liegen. Langfristig ausgerichtete Anleger investieren in Unternehmen mit hervorragenden zukünftigen Aussichten. Informationen diesbezüglich stehen beim Zeitpunkt der Investition in einen SPAC nicht zur Verfügung. Das Risiko einer Einzelanlage nur auf Vertrauensbasis zum Sponsor ist immens hoch. Wie so oft beim Investieren ist Geduld gefragt, bis das Zielunternehmen kotiert ist und die Zukunftsaussichten bewertet werden können.

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