Gewinneraktien der Inflation

Veröffentlicht am 02.12.2021

Die Inflation ist da

Nach vielen Jahren massiver Geldausweitungen durch die Notenbanken und Konjunkturpaketen der Regierungen zieht nun die Inflation in den Industrieländern massiv an. Nach der Zurückhaltung im Lockdown kam in den letzten Monaten die Lust auf Konsum zurück. Befeuert wurde dies von Konjunkturpaketen der Regierungen oder Senkung der Mehrwertsteuer. Da die Lieferketten und die heruntergefahrenen Kapazitäten bei weitem noch nicht auf Vorkrisen-Niveau sind, steigen Rohstoff- und Energiepreise. Auch gestiegene Transportkosten befeuern die Preise und damit die Inflation. Es bestehen sehr grosse Unsicherheiten wegen der nicht endenden Corona-Krise und es ist es durchaus sinnvoll auf Unternehmen bzw. Aktien zu schauen, die Vorteile aus der Inflation ziehen können.

Preissetzungsmacht

Viele Unternehmen kämpfen mit steigenden Rohstoffpreisen oder Inputkosten. Vorteile haben Unternehmen, die diese erhöhten Kosten ihren Kunden weitergeben und höhere Preise durchsetzen können. Noch besser ist es, wenn ein Unternehmen die Preise beim Endkunden stärker erhöhen kann, als die Inputkosten gestiegen sind. Dies führt zu mehr Umsatz und höheren Margen.

Hat ein Unternehmen begehrte Produkte, dann kann es höhere Preise durchsetzen. Dies ist bei bekannten Markennamen der Fall. Im Mainstream werden hier gerne Konsumgüter-Hersteller wie Nestle oder Procter & Gamble genannt. Bei Pampers von Procter oder Rasierklingen von Gilette können Preiserhöhungen durchgesetzt werden, da diese Konsumgüter auch in der Corona-Krise benötigt werden. Dies ist grundsätzlich richtig, allerdings haben diese Firmen ein anderes Problem. Oftmals werden in der Bilanz die Markenwerte als Goodwill oder immaterielle Güter sehr hoch bewertet. Hier bestehen für Aktionäre Gefahren von ausserordentlichen Abschreibungen von zu hoch bilanzierten Markenwerten. Dies war bei Procter & Gamble im Geschäftsjahr 2019 der Fall, als 8 Milliarden US-Dollar auf den Markenwert von Gilette abgeschrieben werden musste und dem Unternehmen so einen riesigen Verlust bescherte. Solche Abschreiber drücken den Firmenwert und letztendlich auch den Aktienkurs.

Auch werden gerne Öl- und Gasunternehmen genannt, die in Zeiten der Inflation von hohen Energiepreisen profitieren. Diese haben oftmals auch eine hohe Dividendenrendite. Bei solchen Investments muss darauf geachetet werden, dass die Dividende durch den freien Cashflow gedeckt ist, und nicht aus der Substanz gezahlt wird. Gerade die grossen Ölfirmen haben wegen dem Klimawandel aktuell sehr hohe Investitionsausgaben und viele dieser Firmen zahlen die Dividende aus der Substanz und somit aus dem Eigenkapital. Auch dies drückt langfristig den Firmenwert und den Aktienkurs.

Ein bekannter Markenname mit gesunder Bilanz ist der Schweizer Schoggi-Klassiker Lindt & Sprüngli. Das Unternehmen sollte in der Lage sein, steigende Rohstoffpreise für Kakao an die Kunden weiterzugeben. Dies ist unter anderem daran zu erkennen, dass sowohl die Gewinn-Marge als auch die Cashflow-Marge bei über 10% liegen. Lebensmittelkonzerne liegen im Durchschnitt bei 6%. Das immaterielle Vermögen (Goodwill) beträgt lediglich 16 % des Gesamtvermögend, es besteht keine Gefahr für ausserordentliche Abschreibungen. Die Dividende ist durch den freien Cashflow voll gedeckt.

Eine Analyse zu Lindt und Sprüngli gibt es hier >>

Gesunde Bilanz und hohe Nettomargen

Aus dem Beispiel von Lindt und Sprüngli ist zu erkennen, worauf geachtet werden muss. Das sind markenstarke Unternehmen, die seit langer Zeit eine starke Marktstellung haben, eine gesunde Bilanz und solides Wachstum aufweisen. Diese werden sich auch in inflationären Zeiten überdurchschnittlich entwickeln.

Ein Unternehmen mit enormer Preissetzungsmacht, gesunder Bilanz und Netto-Margen über 20 % ist Apple. Das Unternehmen setzt seit Jahren Preissteigerungen nach Belieben durch. Erhöhte Produktionskosten stellen somit für Apple kaum Probleme dar, und als Grossabnehmer hat die Firma gegenüber Zulieferern eine enorme Handlungsmacht. Die Kursentwicklung der letzten Monate hat eindeutig gezeigt, dass Apple einer der grossen Gewinner des aktuellen Marktumfeldes ist.

Eine ausführliche Unternehmensanalyse zu Apple gibt es hier >>

Es sind aber nicht nur die Unternehmen mit Milliarden- oder Billionen- Marktkapitalisierung, die Preissetzungsmacht haben. Die Schweizer Belimo Holding AG ist Weltmarktführer im Bereich elektrischer Antriebe für Haustechnik und Gebäudeautomation. Das Unternehmen mit Sitz in Hinwil im Zürcher Oberland und 700 Mio. Franken Umsatz hat eine sehr gesunde Bilanz und Gewinnmargen von 15 %.  CEO Lars van der Haegen hat kürzlich angekündigt, gestiegene Einkaufspreise ab 2022 an die Kunden weiterzugeben. Dies solle die Wachstumsstrategie des Unternehmens nicht beeinflussen.

Eine Analyse zu Belimo Holding AG gibt es hier >>

Rohstoffe

Rohstoff-Unternehmen gehören auch zu den Gewinnern in einem inflationären Umfeld. Diese können aktuell für ihre Produkte Höchstpreise erlösen. Der Holzpreis hat sich in der Coronakrise teilweise vervielfacht. Unternehmen aus der Forstwirtschaft und Waldbesitzer zählen zu den Gewinnern. Einer der weltgrössten Waldbesitzer und Holzverarbeiter ist der finnisch-schwedische Konzern Stora Enso. Als Teil der Biowirtschaft auf Basis des erneuerbaren Rohstoffes Holz zählt Stora Enso zu den weltweit führenden Unternehmen für nachhaltige Lösungen in den Bereichen Verpackungen, Biomaterialien, Holzkonstruktionen und Papier. Die Rohstoffe des Unternehmens wachsen auf 2 Millionen Hektar Waldfläche grossteils in Schweden und Finnland. Auch bei Stora Enso liegen die Nettomargen über dem Branchendurchschnitt und Preiserhöhungen zum Beispiel für Bauholz werden direkt an die Kunden weitergegeben.

Eine ausführliche Unternehmensanalyse zu Stora Enso gibt es hier >>

Plattformen und skalierbare Geschäftsmodelle

Es gibt Unternehmen, die weniger abhängig von Rohstoffen und Inputkosten sind. Informationsdienstleister und Big Data Anbieter bieten ihre Produkte auf IT-Plattformen mit skalierbarem Geschäftsmodell an. Diese Plattformen sind weniger abhängig von Inputkosten durch die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells. Je mehr Kunden eine Plattform nutzen, je höher ist die Effizienz und Profitabilität. Die Infrastruktur der Plattformen muss natürlich betrieben und weiterentwickelt werden, wenn jedoch die Einnahmen durch neue Kunden stärker steigen als die Kosten zur Weiterentwicklung, so treibt das den Umsatz und die Margen. Musterbeispiele von Plattformen sind die natürlich die FAANG-Aktien. Das sind die grossen US-amerikanischen Plattformen von Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google.

Aber auch in Europa gibt es gute Plattform-Unternehmen mit Nettomargen über 15%. Der niederländische Big-Data Anbieter Wolter Kluwer stellt seinen Kunden smarte Software-Tools in Verbindung mit Datenbanken für die Bereiche Recht, Gesundheit, Steuern, Finanzen, Audit, Risiko und Compliance zur Verfügung. Wolters Kluwer sammelt, verwaltet und erstellt Daten seit der Unternehmensgründung im Jahr 1836. Durch dieses tiefe Fachwissen kann der Wissensdienstleister seine digitalen Geschäftslösungen mit den Big Data Datenbanken verknüpfen und als Komplettanbieter aus erster Hand anbieten. Mit diesem Knowhow kann die Firma intelligente und selbstlernende Cloud-basierte Softwareplattformen entwickeln und diese per Abo-Modell an den Kunden bringen.

Verlierer im Umfeld von Inflation

Vorsichtig sein sollte man im aktuellen Marktumfeld bei jungen, defizitären aber stark wachsenden Technologie-Werten aus der Plattform Economy mit ihren sehr hohen Aktienpreisen. Gerne werden hier Aktienpreise bezahlt, die dem 50-fachen des aktuellen Umsatzes entsprechen. Der Grossteil ihrer Cashflows wird in ferner Zukunft erwartet, deren Barwert bei steigender Inflation dann deutlich geringer ist. Als Beispiele seien dazu Palantir oder auch der Börsenliebling Tesla genannt.

Die Inflation könnte die Börsen noch lange beschäftigen, daher sollten sich Investoren auf Unternehmensaktien konzentrieren, die Preissetzungsmacht, starke Bilanzen mit guten Cashflows, wenig Schulden und gute Nettomargen haben.

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