Unternehmensanalyse Wolters Kluwer

Unternehmensanalyse vom 26.12.2021

Die folgende Unternehmensanalyse zeigt auf, wie Wolters Kluwer fundamental aufgestellt ist, wohin sich der Konzern in Zukunft entwickeln wird und ob aktuell ein guter Einstiegszeitpunkt für langfristig ausgerichtete Investoren ist.

Zusammenfassung in 30 Sekunden

Allgemeine Unternehmensbewertung

Wolters Kluwer ist ein weltweit führender Informationsdienstleister und Big Data Anbieter mit Sitz in Alphen aan den Rijn in den Niederlanden. Das Unternehmen stellt seinen Kunden smarte Software-Tools in Verbindung mit Datenbanken für die Bereiche Recht, Gesundheit, Steuern, Finanzen, Audit, Risiko und Compliance zur Verfügung. Die Gruppe vertreibt ihre Services in mehr als 180 Ländern und beschäftigt weltweit etwa 19.200 Mitarbeiter. Wolters Kluwer zählt 93% der Fortune-500-Unternehmen zu seinen Kunden.

Wolters Kluwer profitiert von den Megatrends Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz, Big Data und von immer weiter ansteigenden Compliance-Anforderungen in Unternehmen. Das Geschäftsmodell wächst stark und ist durch den Einsatz von verschiedenen Plattformen skalierbar. Das Unternehmen agiert in einem mittel-zyklischem Geschäftsumfeld mit mittlerem Konkurrenz,- und Margen-druck. Durch die fortschreitende Digitalisierung und durch Anwendung von künstlicher Intelligenz wird der Big Data Anbieter in Zukunft die Absatzzahlen steigern und die Produktionskosten senken können. Die Erlöse kommen aus vielen verschiedenen Quellen. Dazu gehören grosse Firmen, KMU, Selbständige und Privatpersonen.

Geschäftsbereiche

Das Unternehmen ist in die folgenden Geschäftsbereiche aufgeteilt, die zusammenfassend beschrieben werden.

Health

Dieser Geschäftsbereich bietet Datenintelligenz mit Schwerpunkt auf Forschung, Lernen, Sicherheit und Überwachung im Gesundheitssektor.

Das Produktportfolio enthält unter anderem die folgenden Services:

Emmi Patient Engagement, Health Language, Lexicomp, Lippincott, MediSpan, Ovid, POC Advisor, Sentri7, Simplifi 797, UpToDate and UpToDate Advanced

Tax & Accounting

Dieser Geschäftsbereich bietet Expertenlösungen in Steuer- und Wirtschaftsprüfungsunternehmen, Regierungsbehörden und Unternehmen aller Größenordnungen. Es werden Daten bereitgestellt für die Bereiche Compliance, internes und externes Audit-Management, Corporate Performance Management und Unternehmensführung.  

Das Produktportfolio enthält unter anderem die folgenden Services:

A3 Software, ADDISON, ATX, CCH, CCH AnswerConnect, CCH Axcess, CCH Axcess iQ, CCH Tagetik, CCH iFirm, CCH ProSystem fx, CCH OneClick, CCH Integrator, CCH PinPoint, Genya, Prosoft, TeamMate, and Twinfield.

Governance, Risk & Compliance

Dieser Geschäftsbereich bietet Rechts- und Bankfachleuten technologiegestützte Lösungen an, um die Einhaltung der sich ständig ändernden regulatorischen und rechtlichen Verpflichtungen zu gewährleisten und deren Risiken zu managen. Dazu gehört unter anderem auch die Einhaltung von bankaufsichtssrechtlichen Vorschriften.

Das Produktportfolio enthält unter anderem die folgenden Services:

CASH Suite, CLM Matrix, ComplianceOne, CT Corporation, Expere, GainsKeeper, Lien Solutions, OneSumX, Passport, Tymetrix 360, and Vanceo.

Legal & Regulatory

Dieser Geschäftsbereich hilft Rechts- und Compliance-Experten, ihre Produktivität zu verbessern, Risiken zu mindern und komplexe rechtliche Probleme zu lösen. Damit soll die Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften sichergestellt werden.

Das Produktportfolio enthält unter anderem die folgenden Services:

Cheetah, ComplyTrack, Enablon, eVision, IPSOA, Iter, Jura, Kleos, LaLey, Lamyline, LEX, Smartlaw, Leggi D’Italia, Legisway, Navigator, NotaioNext, Verifield, and Wolters Kluwer Online.de.

Umsatz der Geschäftsbereiche

Die folgenden beiden Diagramme zeigen den Umsatz der Geschäftsbereiche in Euro und den prozentualen Anteil aus dem Jahr 2020. Die Umsätze sind sehr gut auf die 4 Geschäftsbereiche verteilt.

Der grösste Geschäftsbereich Tax & Accounting macht insgesamt 31 % des Umsatzes aus. Der Geschäftsbereich Health trägt 26 % zum Umsatz bei. 23% des Umsatzes werden im Geschäftsbereich Governance, Risk & Compliance erwirtschaftet. Der Bereich Legal & Regulatory trägt 20 % zum Umsatz bei. 

Umsatz nach Regionen

Der erzielte Umsatz von Wolters Kluwer kommt zu 61 % oder 2.8 Mrd. EUR aus den USA. 31 % oder 1.4 Mrd. EUR erwirtschaftet Wolters Kluwer in Europa. Die restlichen 354 Mio. EUR oder 7.69 % kommen aus Asien und dem Rest der Welt.

Dies zeigt, dass vor allem der Bereich Asien und Rest der Welt noch sehr grosses Potential haben.

Management   

Unter der Führung von CEO Nancy McKinstry wandelte das Management das Geschäftsmodell vom Angebot gedruckter Fachliteratur hin zu digitalen Komplettlösungen. Um die Kernprozesse weiterzuentwickeln hat das Unternehmen immer wieder geschickte Übernahmen vorgenommen. Der operative Cashflow konnte durch diese Übernahmen sehr viel stärker gesteigert werden als die Investitionsausgaben. Auch die gleiche Verteilung der Umsätze in den vier Geschäftsbereichen zeigt, dass das Management das Unternehmen im Griff hat und die Vision greift.

Die Wichtigkeit des Shareholder Return hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Neben Auszahlung der Dividende kauft das Unternehmen eigene Aktien zurück. Durch die vorgenommene Kapitalherabsetzung wird der Gewinn auf weniger Aktionäre verteilt und die Eigenkapitalrendite stetig erhöht.

Das Management agiert bei Vorhersagen äusserst vorsichtig und kann so immer wieder positiv überraschen.

Das Management besteht aus den folgenden Personen:

Nancy McKinstry

CEO

Nancy McKinstry wurde mit Wirkung vom 1. September 2003 zum Chief Executive Officer (CEO) von Wolters Kluwer ernannt. Während ihrer Amtszeit in dieser Funktion wurde Nancy McKinstry in eine Reihe von Aufsichtsräten berufen, darunter Abbott, Accenture und Russell Reynolds Associates. Frau McKinstry hat die digitale Umwandlung von Wolters Kluwer in ein globales Unternehmen für Expertenlösungen geleitet.

Kevin Entricken

CFO

Kevin Entricken ist Chief Financial Officer und Vorstandsmitglied von Wolters Kluwer seit dem 1. Mai 2013. Herr Entricken kam 2003 zu Wolters Kluwer. In seiner derzeitigen Funktion ist er für die Unternehmensbereiche Rechnungswesen, Geschäftsanalyse und -kontrolle, Interne Revision und interne Kontrolle, Investor Relations, Fusionen und Übernahmen, Recht, Immobilien, Risikomanagement, Steuern und Finanzen verantwortlich. Herr Entricken schloss 1987 sein Studium an der Montclair State University, New Jersey, ab und wurde als Certified Public Accountant qualifiziert.

Stacey Caywood

CEO Wolters Kluwer Health

Karen Abramson

CEO Wolters Kluwer Tax & Accounting

Richard Flynn

CEO Wolters Kluwer Governance, Risk & Compliance

Martin O’Malley

EVP & MD of Wolters Kluwer Legal & Regulatory

Cathy Wolfe

EVP & President Global Growth Markets

Andres Sadler

CEO Global Business Services

Dennis M. Cahill

Chief Technology Officer Digital eXperience Group

Legal und Compliance Check

In unserem semiautomatischen Legal und Compliance Check durchsuchen wir vollautomatisiert Online-Medien nach negativen Artikeln bezüglich der Einhaltung von rechtlichen und ethischen Standards im Unternehmen. Die automatische Suche erfolgt mit hunderten Schlagworten aus dem Bereich Legal und Compliance in deutscher und englischer Sprache. Aus den Ergebnissen können Compliance-relevante Risiken abgeleitet und bewertet werden.

Gegen den von Wolters Kluwer in Deutschland vertriebenen Legal-Tech-Vertragsgenerator Smartlaw gab es im Jahr 2019 eine Klage. Die Hansea­tische Rechts­an­walts­kammer Hamburg hatte gegen Smartlaw geklagt, und das Landgericht Köln hat daraufhin den Vertragsgenerator verboten. Das Verbot wurde vom Oberlandesgericht Köln im Juni 2020 wieder aufgehoben. Die Rechts­an­walts­kammer Hamburg hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Jetzt liegt der Entscheid beim Bundesgerichtshof. Das Urteil des BHG ist noch offen. Ein Verbot von Smart Law durch den Bundesgerichtshof hätte keine nennenswerte finanzielle Auswirkungen auf das Geschäft des Gesamtkonzerns.

Gegen das Management liegen keine Compliance-relevante, negative Artikel vor.

Die aufgeführten Punkte werden als geringes Risiko für das Unternehmen eingeschätzt.

Alleinstellungsmerkmale/ Wettbewerbsvorteile

Der grosse Wettbewerbsvorteil von Wolters Kluwer sind die Big Data Datenbanken. Es gibt viele Anbieter am Markt, die digitale Lösungen in ähnlichen oder den gleichen Geschäftsbereichen anbieten. Allerdings fehlen dort nahezu immer die zugehörigen Informationsdatenbanken. Wolters Kluwer sammelt, verwaltet und erstellt Daten seit der Unternehmensgründung im Jahr 1836. Durch dieses tiefe Fachwissen kann der Wissensdienstleister seine digitalen Geschäftslösungen mit den Big Data Datenbanken verknüpfen und als Komplettanbieter aus erster Hand anbieten. Mit diesem Knowhow kann die Firma intelligente und selbstlernende Cloud-basierte Softwareplattformen entwickeln und diese per Abo-Modell an den Kunden bringen.

Bewertung Allgemeine Unternehmensbeurteilung:

Wolters Kluwer ist mit den digitalen Geschäftslösungen und den Big Data Datenbanken gut für zukünftige Herausforderungen aufgestellt.

Fundamentalanalyse

Wolters Kluwer wird als Substanzwert eingestuft.

Vermögenskennzahlen

Wolters Kluwer hat ein Gesamtvermögen von 8.4 Mrd. EUR, die Gesamtverbindlichkeiten belaufen sich auf 6.3 Mrd. EUR. Das ergibt ein Nettovermögen von 2.08 Mrd. EUR. Dem gegenüber steht eine aktuelle Marktkapitalisierung in Höhe von 26.57 Mrd. EUR.

Die Eigenkapitalrendite liegt aktuell bei 35 %, dies wird bei einer vertretbaren Verschuldung bzw. einem vertretbaren Fremdkapitaleinsatz als sehr gut eingestuft.

Das Verhältnis des durchschnittlichen Freien Cashflows zu den Gesamtschulden beträgt 10.01. Das bedeutet, dass Unternehmen könnte seine Gesamtschulden mit dem freien Cashflow in ca. 10 Jahren voll kompensieren. Diese Kennzahl ist mittelmässig. Das Verhältnis Zinsaufwand zum 5- Jahres Gewinndurchschnitt beträgt 0.05. Das bedeutet, die Aufwände für Zinsen belasten den Gewinn nicht. Diese Kennzahl ist gut.

Die Investitionsquote des 5-Jahres durchschnittlichen operativen Cashflow beträgt 38 %. Die Quote ist für einen Substanzwert niedrig und könnte durchaus etwas höher sein.

Goodwill

Bei unseren Analysen wird die Kennzahl des Goodwills oder des immateriellen Vermögens nahezu so hoch gewichtet wie die Schuldenkennzahlen des Unternehmens. Da der bilanzielle Goodwill nicht abgeschrieben wird, sondern jährlich einer Prüfung auf Werthaltigkeit unterzogen wird, kann es zu einer Aufblähung der Bilanz kommen und es besteht die Gefahr der außerordentlichen Abschreibung eines Einmalbetrages. Ein solcher Fall kann eintreten, wenn vom Management mehrfach überteuerte Unternehmensübernahmen vorgenommen werden, und diese übernommenen immateriellen Werte niemals monetarisiert werden können. Wenn bei solchen Unternehmensübernahmen auch noch Kapitalerhöhungen vorgenommen werden, wird der zukünftige Gewinnanteil der bestehenden Investoren durch die Ausgabe von neuen Aktien verwässert.

Wolters Kluwer hat in der Vergangenheit immer wieder Unternehmensübernahmen vorgenommen, die den Goodwill auf 67% vom Gesamtvermögen haben anschwellen lassen. Dieser Wert ist sehr hoch. Allerdings erfolgten die Übernahmen ohne Kapitalerhöhungen, im Gegenteil, durch die Aktienrückkäufe der letzten Jahren wurde die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien gesenkt. Auch konnten die Übernahmen in der Vergangenheit monetarisiert werden. Der operative Cashflow ist im 5 Jahres Durchschnitt um 7 % stärker gewachsen als die Investitionen. Aus diesen Gründen ergibt sich aus dem Goodwill kein erhöhtes Gefahrenpotential für außerordentliche Abschreibungen.

Margen

Die durchschnittliche Gewinnmarge der letzten 5 Jahre lag bei 14.32 % auf hohem Niveau. Die Standardabweichung der Gewinn-Marge in den letzten 5 Jahren beträgt 2.11 %. Dieser Wert wird als sehr gut eingestuft. 

Die durchschnittliche Free Cashflow Marge der letzten 5 Jahre lag bei 14.16 % auf hohem Niveau. Die Standardabweichung der Cashflow-Marge in den letzten 5 Jahren beträgt 4.73 %. Beide Werte werden als sehr gut eingestuft. 

Dividendenkennzahlen

Der Shareholder Return hat sich in den letzten 10 Jahren sehr gut entwickelt. Seit Jahren kauft Wolters Kluwer, neben Auszahlung der Dividende, in großem Ausmaß eigene Aktien zurück. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der ausgegebenen Aktien. Seit 2014 hat sich die Anzahl der Aktien splitbereinigt von 300 Mio. Aktien auf 267 Mio. Aktien verringert.

Durch die vorgenommene Kapitalherabsetzung wird der Gewinn auf weniger Aktionäre verteilt und die Eigenkapitalrendite stetig erhöht.

Das Unternehmen zahlt im Analysezeitraum seit 2010 regelmäßig und eine ansteigende Dividende. Die Dividendenrendite liegt bei 1.34 %. Das Wachstum der Dividende betrug seit 2011 durchschnittlich 6.26 % per anno.

Die Ausschüttungsquote des durchschnittlichen freien Cashflows der letzten 5 Jahre lag bei 43.05 %. Somit ist die Dividende voll durch den freien Cashflow abgedeckt.

Durch Ausschüttungen in Form von Aktienrückkäufen wird eine Kapitalherabsetzung vorgenommen und somit der zukünftige Gewinn auf weniger Aktionäre verteilt. Deshalb wird zur ausgezahlten Dividende der Wert des Aktienrückkaufprogrammes addiert. Die für Investoren ausgeschüttete Gesamtrendite für das Jahr 2020 betrug 2.66 %.

Die Vermögenskennzahlen zeigen ein stabiles und gesundes Unternehmen mit sehr guten Netto-Margen.

Wachstumskennzahlen

Umsatz

Die folgenden Diagramme zeigen die Entwicklung des Umsatzes aus den Jahren 2010-2020. Das durchschnittliche Wachstum in dieser Zeitperiode betrug 1.87 % pro Jahr. Hier kann geringes Wachstum abgeleitet werden.

Entwicklung operativer Cashflow und Investitionen

Der Cashflow aus dem operativen Geschäft ist im Geschäftsjahr 2018 erstmals auf über 1 Mrd. EUR gestiegen. Im Jahr 2020 betrug der operative Cashflow bereits 1.2 Mrd. EUR.

Der operative Cashflow konnte seit dem Jahr 2010 im Durchschnitt um 9.53 % pro Jahr gesteigert werden. Und dies auf einem sehr gleichbleibenden Niveau.

Die Investitionen hingegen sind seit 2010 im Durchschnitt nur um 0.15 % pro Jahr gestiegen.

Dies ist absolut bemerkenswert, die operativen Cashflows steigen kontinuierlich bei gleichbleibenden Investitionen. Dies zeigt, dass die strategischen Unternehmenszukäufe sehr erfolgreich waren.

Freier Cashflow und Gewinn

Der Gewinn konnte seit dem Jahr 2010 im Durchschnitt um 10.41 % pro Jahr gesteigert werden. Der Freie Cashflow konnte seit dem Jahr 2010 im Durchschnitt um 12.72 % pro Jahr gesteigert werden. Das Verhältnis des bilanziellen freien Cashflow und des bilanziellen Gewinns der letzten 5 Jahre beträgt 0.99. Dies bedeutet die beiden Kennzahlen waren auf gleichem Niveau. Dies unterstreicht die Stabilität und Kontinuität des Unternehmens.

Wachstumserwartung des freien Cashflows und des Gewinns

Ziel der Berechnungen ist es, die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens zu bestimmen. Als erste Grundlage zur Berechnung der Wachstumserwartung von Gewinn und Freiem Cashflow werden Vergangenheitswerte in die Zukunft extrapoliert. Die Grundlage für die Berechnung sind die Gewinne und Cashflows aus den Jahren 2010- 2020.

Die Extrapolation des Freien Cashflows aus den Jahren 2010- 2020 ergibt ein durchschnittliches Wachstum von 12.72% pro Jahr. Daraus kann ein langfristig positiver Trend abgeleitet werden.

Die Extrapolation der Gewinne aus den Jahren 2010- 2020 ergibt ein durchschnittliches Wachstum von 10.41 % pro Jahr. Daraus kann ein langfristig positiver Trend abgeleitet werden.

Zukünftige Gewinnerwartung

Eine der wichtigsten Fragen bei der Ermittlung der zukünftigen Gewinnerwartung ist, wie stark das Unternehmen von einem Megatrend profitiert. Wolters Kluwer bedient gleich mehrere Megatrends: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, und Big Data.

Das Geschäftsmodell hat das Potential weiter stark zu wachsen. Durch den Einsatz der verschiedenen Plattformen kann das Geschäftsmodell stark skaliert werden und durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz werden die Produktkosten weiter gesenkt werden können.

Das Unternehmen hat als Komplettanbieter von digitalen Geschäftslösungen inclusive Big-Data Datenbanken wenig Konkurrenzdruck. 81 % des Umsatzes bestehen aus wiederkehrenden Einnahmen, also aus den Abo-Modellen. Dies bindet die Kunden langfristig an das Unternehmen und gibt Wolters Kluwer eine gute Preissetzungsmacht.

Es ist davon auszugehen, das zukünftige Investitionen und Übernahmen den operativen Cashflow stärker wachsen lassen als die Investitionen. Dadurch werden der freie Cashflow und die Netto-Marge weiterhin auf einem hohen Niveau bleiben.

Aus all den oben beschriebenen Fakten und der Berücksichtigung einer angemessenen Sicherheitsmarge leiten wir ein zukünftiges jährliches Wachstum von Wolters Kluwer in Höhe von 11 % ab.

Bewertung Fundamentalanalyse:

Wolters Kluwer ist ein Cashflow-starker Substanzwert mit guten fundamentalen Bilanzdaten und gutem Wachstum.



Preisanalyse

Zur Preisanalyse wird das erwartete KGV (forward KGV) genutzt. Es wird dem aktuellen Gewinn pro Aktie (2.70 EUR) das zuvor berechnete Gewinnwachstum in Höhe von 11 % pro Jahr addiert wird. Im Ergebnis wird ein geschätzter Gewinn in drei Jahren in Höhe von 3.69 EUR genutzt. Das daraus resultierende erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis (forwardKGV) beträgt 27.43. Bezogen auf ein geschätztes jährliches Wachstum von 11 % ist das Verhältnis KGV zu Wachstum (PEG) 2.5. Unter Berücksichtigung von Wettbewerbsvorteilen, Compliance Check, Risiko der Bilanzierungswährung, Zinsniveau und Länderrisiko in Holland sowie politische Sicherheit wird diese Kennzahl als hoch eingestuft, was auf eine Überbewertung der Aktien hindeutet.

Auch beim Kurs-Cashflow-Verhältnis wird mit dem erwarteten Cashflow in drei Jahren kalkuliert. Das forward KCV beträgt 30.65. Bezogen auf ein geschätztes jährliches Wachstum von 11 % ist das Verhältnis KCV zu Wachstum 2.79. Unter Berücksichtigung von Wettbewerbsvorteilen, Compliance Check, Risiko der Bilanzierungswährung, Zinsniveau und Länderrisiko in Holland sowie politische Sicherheit wird diese Kennzahl als hoch eingestuft, was auf eine Überbewertung der Aktien hindeutet.

Das Verhältnis des aktuellen Unternehmenswertes (EV) zum zukünftig erwarteten Umsatz beträgt 4.54. Das bedeutet, Wolter Kluwer wird aktuell mit dem 4.54-fachen des erwarteten Umsatzes bewertet. Diese Kennzahl deutet auf eine Unterbewertung der Aktie hin.

Der Kurs liegt aktuell 3 % unter dem 52-Wochen-Hoch.

(alle Berechnungen zum Kurs per 23.12.2021)                     

Berechnung fairer Wert

Geistiges Eigentum

Für klassische Value Investoren fällt die Bewertung von Unternehmen aus der Digitalbranche sehr schwer, weil der selbstgeschaffene Wert für geistiges Eigentum wie Plattformen und Software in den Bilanzen nicht oder nur unzureichend ausgewiesen wird. Nur hinzugekauftes geistiges Eigentum wird im Goodwill ausgewiesen. Dieser nicht ausgewiesene Wert steigert aber den Gesamtwert dieser Unternehmen erheblich. Auch die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells muss in die Bewertung des Firmenwertes einfließen. Die klassischen Berechnungsmethoden der Ikonen des Value Investing sehen solche Berechnungen nicht vor. Daher nehmen wir neben den klassischen Value Kennzahlen auch einen Faktor für geistiges Eigentum und den Wert von skalierbaren Plattformen in unsere Berechnungen auf. So können wir einen realistischeren Unternehmenswert ermitteln. Je nach Skalierbarkeit des Geschäftsmodells berechnen wir den Wert des nicht bilanzierten geistigen Eigentums mit dem Mehrfachen des jährlichen operativen Cashflow.

Für Wolters Kluwer berechnen wir einen Wert für das geistige Eigentum in Höhe von 19.44 EUR pro Aktie.

Fairer Wert nach Dicounted Cashflow Verfahren

Wolters Kluwer hat ein Gesamtvermögen von 7.95 EUR pro Aktie. Hierzu wird der Wert des geistigen Eigentums pro Aktie addiert. Das ergibt ein Vermögen pro Aktie in Höhe von 27.39 EUR pro Aktie. Zur Bestimmung des inneren Wertes wird der abgezinste erwartete Cashflow addiert. Aufgrund der guten Fundamentaldaten wird mit einem Anlagehorizont bis zum Jahr 2030 kalkuliert und ein innerer Wert von 64.37 EUR pro Aktie errechnet. Dieser Wert liegt 57.3 % unter dem aktuellen Börsenkurs der Aktie per 23.12.2021.

Fairer Wert nach Umsatzverfahren

Bei diesem Verfahren wird der faire Wert berechnet mit dem Mehrfachen des zukünftig erwarteten Umsatzes. Der Umsatz-Multiplikator berechnet sich aus verschiedenen Komponenten wie Wettbewerbsvorteilen, Anteil an Megatrends, Digitalisierung und Skalierbarkeit des Geschäftsmodells, Compliance Check, Risiko aus Zinsniveau, Länderrisiko und politische Sicherheit.

Für Wolters Kluwer ist das Ergebnis ein Multiplikator von 5 auf den Umsatz. Dies ergibt ein fairer Wert der Aktie in Höhe von 134.89 EUR. Dieser Wert liegt 20% über dem aktuellen Börsenkurs der Aktie per 23.12.2021.

Bewertung Preisanalyse

Der Preis der Unternehmensanteile wird aufgrund klassischer Kennzahlen als hoch eingeschätzt. Es ist ein beachtlicher Zuschlag zum fairen Wert der Aktie zu zahlen. Lt. Discounted Cashflow Verfahren ist aktuell ein Aufpreis von 57 % zu zahlen. Das eher bei jungen und wachstumsstarken Unternehmen verwendete Umsatzverfahren zeigt eine Unterbewertung von 25 %.

SWOT-Analyse

In der SWOT-Analysen stellen wir Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken gegenüber.

Stärken

Wolters Kluwer ist ein etablierter Substanzwert mit gesunder Bilanz. Das Unternehmen bietet seine Geschäftslösungen in hochsensiblen Bereichen an, die von ständig ändernden Anforderungen geprägt sind. Geleitet wird das Unternehmen von einem hervorragendem Management mit langjähriger Betriebszugehörigkeit und grossem Fachwissen. Geographisch wird das Unternehmen vor allem in Asien wachsen. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz werden mehr und auf Kunden zugeschnittene Daten zu Verfügung gestellt werden können. Die weitere Skalierung der Services und Plattformen werden die Herstellkosten senken. 71 % des Umsatzes werden bereits jetzt durch Abo-Modelle verdient. Die weitere Optimierung und der Ausbau dieser Abo-Modelle und der Plattformen werden genügend Cashflow generieren, um zukünftiges Wachstum und eine gute Ausschüttungsquote zu finanzieren.

Schwächen

In der Bilanz ist der Anteil des immateriellen Vermögens bzw. des Goodwill sehr hoch. Der Anteil des Goodwill am Gesamtvermögen beträgt derzeit hohe 67 %. Das Management tätigt immer wieder Unternehmensübernahmen, die den Goodwill in die Höhe treiben. Bisher hatte das Management die Risiken im Griff und bei den Übernahmen immer das richtige Händchen. Jedoch bedarf dieser Bereich einer erhöhten Aufmerksamkeit. Wir werden zukünftige Übernahmen genau analysieren.

Das Unternehmen generiert 61 % des Umsatzes in Nordamerika und somit in USD. Bilanziert wird in EUR, was ein erhöhtes Währungsrisiko aufzeigt.

Wolters Kluwer zählt 93% der Fortune-500-Unternehmen zu seinen Kunden. Aufgrund dieser Marktstärke, vor allem in den Vereinigten Staaten, wird es für das Unternehmen schwer sein, weiterhin starkes Umsatzwachstum zu generieren.

Chancen

Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz können in den Big Data Datenbanken Synergien gehoben und die Services verbessert werden. Dadurch können die Produktionskosten gesenkt werden. Als Komplettanbieter von Services und Datenbanken kann Wolters Kluwer seine digitalen Dienstleistungen immer weiter verbessern und aus erster Hand an die Kunden bringen.

Risiken

Gefahren bestehen aus den vielen Übernahmen, die Wolters Kluwer immer wieder durchführt. Sollte das Management hier Fehlentscheidungen treffen, kann das zu erhöhten Risiken führen.

Im Bereich der künstlichen Intelligenz muss das Unternehmen die richtigen Entscheidungen treffen, um die bestehende Marktmacht zu halten. Am Markt gibt es einige sehr agile Unternehmen im Bereich von Big Data und künstlicher Intelligenz, die sich gerne Marktanteile von Wolters Kluwer einverleiben möchten. Hier sei zum Beispiel das stark wachsende US-Unternehmen Palantir genannt.

Fazit

Die Aktien von Wolters Kluwer alles andere als ein Schnäppchen. Qualität hat seinen Preis.

Nach der ersten Bewertung der Aktie und Kauf für das Bolesch Beteiligungsportfolio im November 2020 konnten wir einen unrealisierte Gewinn in Höhe von 36 % erzielen.

Die Summe aus jährlichem Wachstum, der Dividendenrendite und der Kursbewertung ergibt für die Aktie eine langfristige Renditechance in Höhe von ca. 12 % p.a. Wir gehen davon aus, dass die Gesamtrendite der Aktie von Wolters Kluwer die Benchmark des MSCI World outperformen kann.

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Allgemeine Hinweise zur Analyse

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Um die besten Investments zu identifizieren und dauerhaften Kapitalverlust zu vermeiden, unterziehen wir potenzielle Investments einem ausführlichen Selektionsprozess. Immer werden eine allgemeine Unternehmensbewertung, eine Fundamentalanalyse, eine Preisanalyse und eine Wettbewerbsanalyse durchgeführt. Bei unseren Analysen wird der freie Cashflow als maßgebliche Kennzahl genutzt. Eine ausführliche Beschreibung unserer Prinzipien findest du hier. Der faire Wert des Unternehmens wird mit dem Discounted-Cashflow-Verfahren und dem Umsatzverfahren ermittelt. Die Jahresdividende wird bei der Ermittlung des zukünftigen inneren Wertes herausgerechnet. Alle Kennzahlen sind, sofern nichts anderes angeben ist, selbst berechnet und werden den Jahresgeschäftsberichten der Unternehmen entnommen. Bei allen Kennzahlen und Schätzungen werden konservative Annahmen getroffen und eine Sicherheitsmarge eingerechnet. Zur Auswertung der Kennzahlen und Berechnung der Daten kommt die BAS (Bolesch Analyse Software) zum Einsatz. Die Software verknüpft Berechnungsmethoden des Risiko Managements mit den Regeln des Value Investing. Das Scoring System der BAS berechnet die Kennzahlen auf Basis des langfristigen freien Cashflows. Dadurch werden die wirklichen Stärken der analysierten Unternehmen identifiziert und die Qualität der daraus resultierenden Investments deutlich verbessert. Obwohl die Berechnung äußerst komplex ist, ist es unser Ziel die Analysen möglichst einfach und verständlich darzustellen.

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Quellen

Alle verwendeten Daten für die Fundamentalanalyse stammen von Wolters Kluwer und können in den Geschäftsberichten auf der Investor Relations Website von Wolters Kluwer eingesehen werden.

Offenlegung

Der Autor hält Aktien von Wolters Kluwer.

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